Über Kritik, Beschwerden und Drohungen
Destruktive Kritik am Partner: Machtmissbrauch und nörgeln
Auch wenn Kritik am Partner nicht direkt mit der Erziehung eines Kindes zu tun hat, gibt es dennoch einige Gemeinsamkeiten. Indem der eine für sich beansprucht zu erkennen, was der andere falsch macht, stellt er seine Intelligenz über die des Anderen. Man baut unbewusst ein Machtgefälle auf. Je nachdem, wie der andere darauf reagiert, kommt es schnell zum Machtkampf. Das ist in einer Partnerschaft mehr als destruktiv.
Auch das sogenannte Nörgeln, das aus einer Spannungssituation entsteht, trägt nichts zur Verbesserung der Partnerschaft bei. Das Nörgeln überschreitet oft sogar einen erpresserischen Rahmen. Es wird dazu verwendet, dem anderen die eigene Unzufriedenheit zu demonstrieren und ihm gleichzeitig vor Augen zu führen, dass er schuld an dieser Unzufriedenheit ist. Es ist eine Handlungsaufforderung, den Nörgelnden zu bewundern, sich ihm unterzuordnen und seinen Anweisungen zu folgen. Klingt nicht gut, oder?
Je mehr man versucht, den Partner zu ändern, desto weniger verändert der sich.
Oft werde ich gefragt: „Ist das der Schlüssel zum Glück, es zu akzeptieren, dass der Partner sich nicht ändert, solange ich kritisiere? Hier zitiere ich gerne etwas von meinem Ausbilder Arnold Retzer.
Ein Beispiel
Eine Frau heiratet einen Mann. Freundlicher Kerl. Bei der Hochzeit sagt sie: Die zwei, drei Macken, die er hat, die bekomme ich auch noch hin. Sie meint: Den bekomme ich auch noch hin. Dann gehen, wenn man Glück hat, zehn Jahre ins Land und der Partner, fast hätte ich gesagt: der Gegner, hat die Macken mindestens in der gleichen Ausführung wie am Hochzeitstag. Weil der Mann diese Veränderungsmaßnahmen als Angriff auf seinen Lebensstil, auf seine Wertvorstellungen, auf sich bezieht. Menschen reagieren auf Angriff nun mal mit Verteidigung. Das Ergebnis ist eine paradoxe Situation: Je mehr man versucht, den Partner zu ändern, desto weniger verändert der sich. Man kann so weit gehen und sagen: wenn man nicht mehr versucht, den anderen zu ändern, dann verändert er sich.
Was tun, wenn mir etwas nicht gefällt?
Meine Antwort dazu: Nein! Versuchen Sie es mit konstruktiver Kritik in Form eines Verbesserungsvorschlages oder teilen Sie sich dem Partner mit, was es mit Ihnen macht, was Ihr Partner tut.
Konstruktive Kritik: Es geht auch anders
Die vorhergehenden Ausführungen sollen nicht den Rückschluss zulassen, dass Schweigen der Königsweg sei. Kritik darf geäußert werden. Sie muss nur konstruktiv sein. Kritik ist dann gut, wenn sie ehrliches Interesse am Anderen zeigt, wenn sie ihn in seiner Entwicklung oder der Problemlösung weiterbringen soll. Konstruktiv geäußert, kann Kritik ein wegweisendes Element für die Zukunft sein. Es muss sich dabei um eine verständnisvolle Kritik auf gleicher Augenhöhe handeln, die nicht dem Zweck dient, sich selbst zu profilieren.
Konstruktive Kritik in der Partnerschaft ist keine Absage an die Liebe
Das größte Problem an der Kritik am Partner entsteht eigentlich daraus, dass der Kritisierte gerne Rückschlüsse auf die Liebesbeziehung zieht. Denn Kritik an einer Handlung ist auch immer Kritik an einer Person. Aber: Die Liebe ist die Liebe und die Partnerschaft, die Partnerschaft. Innerhalb der Liebesbeziehung gibt es nur die Liebe um ihrer selbst willen. Es ist eine romantische, unzensierte, bedingungslose Liebe, in der es weder Regeln noch Kritik gibt. Kritik ist ein Thema innerhalb der Partnerschaft. Hier geht es erst einmal darum, den gemeinsamen Alltag zu organisieren, Aufgaben zu verteilen und auf unbekannte Weise 6 Stunden am Stück zu schlafen.
Den perfekten Partner gibt es nicht
Also, was nun? Müssen wir uns auf die Suche nach dem perfekten Partner machen, der einfach keine Macken hat? Nur dann, wenn wir für immer allein sein wollen. Vielmehr müssen wir akzeptieren. Den offenen Toilettendeckel. Die leere Milchpackung. Sogar die Zahnpastatube. Äußern Sie Kritik nur dann, wenn es den Partner oder die Partnerschaft vorantreibt und nie dann, wenn Sie sich dadurch selbst nur besser fühlen wollen. Stellen Sie sich ein Glas vor und einen Hammer, der danebenliegt. Wenn Sie draufhauen, wird es kaputtgehen.