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Liebesarten in der Paarbeziehung

Schon seit Urzeiten gibt es nicht „die Liebe“.

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Philia, Agape und Eros unterscheidet drei verschiedene Formen der Liebe, die von den alten Griechen unterschieden wurden. Sie beschreiben verschiedene Aspekte und Ausdrucksformen der Liebe zwischen Menschen. 


Was hat das zu bedeuten: Sie bewegen sich in Ihrer Beziehung nie ausschließlich in einem der drei Bereiche. Es gibt vielmehr einen Schwerpunkt mit Aspekten der anderen beiden Bereiche und diese Schwerpunkte können sich auch verschieben. Es kommt darauf an zu wissen, was der momentane Schwerpunkt in der Liebesbeziehung ist, um sich darauf einstellen zu können.

Die Liebesarten für Beziehungen mit Bindung

Philia bezeichnet die partnerschaftliche Liebe, ein Geben und Nehmen in Parität, die gegenseitige Anerkennung und das gegenseitige Verstehen.

Hat die Beziehung einen partnerschaftlichen Schwerpunkt, dann ist man verlässlich, ehrlich, vertrauenswürdig und respektvoll, verhandelt miteinander und schließt Kompromisse. Partnerschaft beruht auf Verhandlungslogik. Der Zweck ist ein Leistungsausgleich. Über Leistungen werden Verabredungen und Vereinbarungen geschlossen. Hier geht es um alles, was verhandelbar ist, und um Kompromisse, also um Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, Vertragstreue.

Agape bezeichnet die freundschaftliche Liebe, die Liebe des Schenkens. Hat die Beziehung einen eher freundschaftlichen Schwerpunkt, tut man einander Gutes, verreist miteinander, pflegt gemeinsame geistige oder sonstige Interessen und unterstützt einander in der psychischen Entwicklung. Man gönnt dem Gegenüber schöne Erlebnisse, Freiheit, Sex mit anderen und Vertrauen. Freundschaft beruht auf einer Teilhabelogik. Der Zweck ist gegenseitige Unterstützung (Wachstum, Vorhaben, Interessen). Über Teilhabe werden Abmachungen getroffen. Hier geht es um das Glück des anderen, darum, ihn in seinen Interessen und seiner persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Es geht also um die gute Tat für den anderen, persönliche Unterstützung, Ausgleich von Geben und Nehmen.

Eros bezeichnet die sinnlich-erotische, emotionale, begehrende, leidenschaftliche Liebe. Es ist eine fordernde Liebe. Hat die Beziehung einen emotional-leidenschaftlichen Schwerpunkt, sollte man dem Abstand – räumlich oder psychisch – eine große Bedeutung beimessen, damit das Begehren überhaupt auftreten kann. Eine emotional-leidenschaftliche und begehrende Liebe würde, im Gegensatz zur freundschaftlichen Liebe, nie teilen. Der Zweck ist Sex mit leidenschaftlichem Begehren in eher seltenen Begegnungen und darin der Wunsch nach intimer körperlicher Nähe. Es geht also um Zuwendung/Öffnung zum Innersten. Wobei es sich hier auch um eine feste Beziehung und nicht um eine Affäre handelt. Eine Affäre, ein Seitensprung, oder Sexverabredungen über die einschlägigen Internetportale (matchen, chatten, flirten, daten) ist meist unter Ludus zu subsumieren.

Oft sind die Paare dann sogar entsetzt und fragen: „Soll dies denn heißen, wenn wir eine Paarbeziehung mit einem deutlich freundschaftlichen und/oder partnerschaftlichen Schwerpunkt haben, dass wir dann keine Leidenschaft und Begehren leben und erleben können?“

Ja, das heißt es. Das heißt aber nicht, dass keine Sexualität gelebt und erlebt werden kann. Sexualität ja, aber nicht mit dem heißen Begehren und der heißen Leidenschaft, wie bei den Paaren, die sich selten sehen und dann übereinander herfallen, oder wie sie zu Beginn einer Liebesbeziehung erlebt wird. Die Tatsache, dass man sich am Anfang fremd ist, weckt das Begehren und die Leidenschaft. Man befindet sich im Eroberungsmodus.

Klar und unmissverständlich: Alles in einer Beziehung haben zu wollen, geht nicht und wird auch nicht gehen. Also weg von dem Machbarkeitswahn, alles sei möglich, wenn man nur fest genug will. Die „Eier legende Wollmilchsau“ gibt es nicht. Kommen wir weg von der Erwartung, dass sich einer verändern muss, so wie es der andere sich vorstellt.

Noch eine Antwort auf eine oft gestellte Frage:

Wenn der Eros in der Liebesbeziehung mit Bindung keine bedeutende Rolle (mehr) spielt, heißt es nicht, dass man sich das Fehlende im Außen holen oder eine offene Beziehung vereinbaren muss. Wenn einem die Beziehung, so wie sie sich aktuell darstellt, viel bedeutet, kann man auf diesen fehlenden Aspekt verzichten. Jeder entscheidet für sich, was ihm die Beziehung wert ist und worauf man verzichten kann und worauf nicht.

Ich kenne einen Fall, bei dem eine Seite der anderen Seite eröffnet, dass kein Interesse mehr an Sex besteht. Hier bin ich der Meinung, „wahre Liebe lässt frei“ und gibt dem Partner, der noch Sex erleben möchte, die Möglichkeit und die Freiheit, dies im Außen zu erleben. Es selbst nicht zu wollen und damit den Partner zu kastrieren, hat meiner Meinung nach nichts mit Liebe, sondern mit Besitzanspruch zu tun. Wobei es interessant wäre, zu erforschen, ob man wirklich Sex erleben oder begehrt werden will.

Wenn sich also bei einem Partner im Lauf der Beziehung hieran etwas ändert, lotet man gemeinsam aus, was und wie etwas in die Beziehung integriert werden kann.

Wir haben eine ideale Liebesbeziehung und gehen immer einen gemeinsamen Weg. Ja, wir leben „Alles mit Einem, für immer“.

Ich möchte nicht ausschließen, dass es dies gibt. Nur kenne ich bisher kein Paar, das dieses Prinzip lebt. Wenn es dieses Paar geben würde, wäre es der Star in den Talkshows und in der Regenbogenpresse.

Es gibt Paare, die eine sehr enge Beziehung führen und alles zusammen machen. Doch lebt dieses Paar, das eine sehr enge symbiotische Beziehung führt, noch dazu mit einer leidenschaftlichen Sexualität, tatsächlich?

In vielen Hollywoodfilmen und sogar vor dem Traualtar wird propagiert, man gehe nun einen gemeinsamen Weg. Noch provokanter gesehen, bedeutet eine solche partnerschaftliche Verbindung dann so etwas wie ein „Aneinanderkleben“. Man bestreiche beide Seiten mit einem Tropfen Sekundenkleber, auf dass sie fest und untrennbar zusammenbleiben.

Für viele Liebespaare besteht die ideale Beziehung jedoch nicht darin, möglichst viel gemeinsam zu machen, sondern einander möglichst viele Freiräume zu lassen. In dieser Beziehung gibt es nicht einen, sondern drei Wege, die beschritten werden wollen. Jeder Partner behält dabei seine eigene Richtung bei. Beide gehen ihren vorherigen Lebensweg weiter, der sie auch auf den soeben entstandenen dritten Lebensweg führte, der gemeinsam mit dem Partner beschritten wird. Eine Beziehung, in der das Paar niemals auch nur einen Schritt ohne den anderen tut, geht einen riskanten Weg. Diese Beziehung ist anfällig und zerbrechlich. Freiheit und Eigenständigkeit sind wichtige Standbeine in einer Beziehung.

Ich empfehle: Jeder sollte Zeit für sich haben, jeder sollte auch Zeit mit dem eigenen Geschlecht haben, und für Paare, die eine vertrauensvolle Beziehung haben, sollte auch Zeit mit dem anderen Geschlecht möglich sein.

Wer sich mit anderen trifft, eigene Erfahrungen macht und etwas erlebt, ohne dass der Partner immer direkt danebensteht, bringt wichtige neue Anregungen und Gesprächsstoff in die Beziehung ein. Eigene Erlebnisse sind wie ein Motor, der die Beziehung in Gang hält.


[1] Casual Sex (auch Gelegenheitssex oder Casual Dating) bezieht sich auf verschiedene Arten von sexuellen Aktivitäten außerhalb des Bereiches romantischer Beziehungen. (Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Casual_Sex)


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